Aufräumen

Frühjahrsputz – und der Wert der Dinge

Es war mal wieder so weit: Unsere Autorin und ihre zehnjährige Tochter haben gemeinsam das Kinderzimmer entrümpelt. Oder es zumindest versucht. Denn darüber, was weg muss und was bleiben darf, gingen die Meinungen teilweise stark auseinander.

veröffentlicht am 01.04.2025

Meine Tochter hat das mit Abstand größte Zimmer im Haus. 20 Quadratmeter misst Christinas Reich, trotzdem muss ich feststellen, dass diese Größe bisweilen nicht ausreicht, um all ihr Hab und Gut unterzubringen.

Bilder, Bücher, Spielsachen und vor allem das viele selbst gebastelte Zeug füllt gefühlt jede Ritze im Raum. Wenn die Farbe der Schreibtischplatte nicht mehr zu erkennen ist und die Hausaufgaben aus lauter Platznot nur noch auf dem Fußboden erledigt werden, ist meine Schmerzgrenze für ein angemessenes Wohlfühl-Chaos erfüllt: Mutti befiehlt aufzuräumen!

So geschehen letzte Woche. Das Ziel: Alle Schränke und Regale ausräumen, durchwischen und nur das wieder verstauen, was wirklich noch gebraucht wird. Christina war motiviert. Auch sie hatte gemerkt, dass ihr die Sachen ein wenig über den Kopf gewachsen waren – erst recht wo ihre Freundinnen ihre Zimmer gerade so hübsch mädchenhaft eingerichtet hatten.

Wegwerfen, verschenken oder wieder einsortieren 

So öffneten wir entschlossen den ersten Schrank, Schwerpunkt Gesellschaftsspiele, und das Kind sortierte sorgsam aus: wegwerfen, verschenken/verkaufen oder wieder einsortieren. Ich holte derweil Wäschekörbe heran, um die vielen Kartons unterzubringen. Es zeigte sich, dass die großen Kisten nicht das Problem waren. 

Die Diskussion, ob etwas in den Augen der Zehnjährigen lebensnotwendig wichtig ist oder einfach nur Müll, entbrannte sich an Kleinigkeiten. Wie die vielen Holzdöschen, in denen diverse Perlen und Schätze aufbewahrt werden. Diese sind natürlich unverzichtbar. Auch Barbie mit ihren Freunden und deren Equipment muss (noch) keinen Auszug fürchten. Weniger Schmerzen hatte Christina mit dem Lüften ihres Bücherregals. Hier legte ich das eine oder andere Veto ein: „Das kann man doch noch mal lesen!“

Ein paar Dinge landeten auf einem ganz besonderen Haufen: Dinge für die Erinnerungskiste. So heißen zwei Kartons, die im Keller lagern und in denen neben dem ersten Strampler besondere Erinnerungen an Christinas Kindheit aufbewahrt werden.

Dinge, an denen das Herz hängt

Nachdem auch der Bastelschrank und die alten Schulhefte durchgeforstet waren, zogen wir Bilanz: sechs Eimer Altpapier, eine große Mülltüte und zwei Wäschekörbe voll mit Spielen für das Sozialkaufhaus warten auf den Abtransport. Wäre es nach mir gegangen, hätten wir noch mehr entsorgt, aber je später der Tag, desto heftiger wurde der Widerstand. Erstaunlich, woran ein Kind so sein Herz verlieren kann.

Abends stehe ich im Keller. In einem Schrank lagern alte Bücher, die längst niemand mehr liest. Ich greife zu und finde ein paar Exemplare, die nun ebenfalls gehen dürfen. Und dann kommt der Moment, wo mit Madita, Ronja und Nonni – die Helden meiner Kindheit -– vor mir stehen. Natürlich bleiben die hier! Ich streichle über die Bücher und denke: Erstaunlich, woran man so sein Herz verlieren kann.


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