Auf das Gewissen hören
Schwamm drüber – Wie die Beichte heilen kann
Für Hannes Pernsteiner und seine Familie ist die Beichte ein hilfreiches Ritual, ähnlich wie das Aufräumen: Damit das Zuhause sauber und gepflegt bleibt, muss es regelmäßig geputzt werden. Von den Beichtpriestern bekommen Eltern und Kinder oft gute Tipps.
veröffentlicht am 06.03.2025
„Versuche, deine Kinder so zu behandeln, als wären sie nur Bekannte, die zu Besuch sind“: Ein Erziehungstipp aus dem Mund eines Priesters, dem ich gerade den Schmerz über eine Facette von mir anvertraut habe, die ich lieber verstecken würde. Dass ich nämlich meinen Kindern gegenüber immer wieder gereizt bin und in Zorn gerate. Etwa wenn ich den Eindruck habe, sie ließen es an Respekt meiner Frau gegenüber fehlen, wären undankbar oder beschwerten sich zu Unrecht über Gutes. Und viel zu oft auch dann, wenn ich in ihrem Verhalten meine eigenen Schwächen wiedererkenne. Außerdem legt er mir nahe: „Nutze den Heimweg von der Arbeit zum Gebet für sie und denk daran, dass sie Kinder Gottes sind, die er dir und deiner Frau nur geliehen hat.“
Ort unseres kurzen Gesprächs ist der Beichtstuhl in einer Wiener Kirche, den ich monatlich aufsuche. Nicht immer verlasse ich den Ort mit einer Hausaufgabe, denn manche Priester beschränken sich auf die vorgeschriebene Absolution, ohne zusätzliche Impulse zu geben. Als Bereicherung erlebe ich das Bußsakrament dennoch immer. Erstens, weil ich mir zuvor selbstkritisch den Spiegel vorhalten muss – die Gewissenserforschung. Zweitens und vor allem: Die Zusage Gottes durch seinen Vertreter, mit ihm wieder im Reinen zu sein und neu beginnen zu dürfen, verfehlt nie ihre Wirkung. Sie erleichtert, befreit, tröstet, ermutigt und hilft, mich beim Kampf gegen meine Schwächen nicht nur im Kreis zu drehen, sondern zumindest ein kleines Stück voranzukommen.
Die Kinder gehen gedanklich durch die „Räume“ ihres Lebens
Für meine ganze Familie ist die Beichte schon zur Gewohnheit geworden. Es ist wie beim Aufräumen: Damit unser Zuhause sauber, gepflegt und gern bewohnt bleibt, ist ein regelmäßiger Putztag notwendig – was auch für das „innere Haus“ jedes Menschen gilt. Damit die Überwindung für alle kleiner wird, gibt es meist gemeinsames Großreinemachen. Unsere Kinder haben dieses Ritual schon verinnerlicht: „Mit Papier und Stift gehen sie gedanklich durch die ‚Räume‘ ihres Lebens – Familie, Schule, Freunde, Freizeit – und notieren, was sie aufräumen wollen, damit Gott als Besucher kommen kann. Bewaffnet mit dieser Liste, als ob es ein Müllsack wäre, wagen sie sich dann in das Aussprachezimmer, entladen dort und vernichten am Schluss ihren Spickzettel.
Damit begonnen haben die Kinder schon früh. Bei den ersten Malen feierten wir stets mit Pizzaessen danach. Sind Sechsjährige überhaupt schon in der Lage, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden? Es mag ja stimmen, dass sich das Moralbewusstsein erst in der Grundschulzeit voll und ganz entwickelt, das Sakrament ist dabei aber sicher keine Hürde, sondern Hilfe. Auch wir Eltern merken, dass sich jedes Mal unser Sensorium ein Stück verfeinert, denn je öfter wir beichten gehen, desto mehr fällt uns beim „Müllsammeln“ auf und umso leichter fällt es auch. „Das Gewissen ist ein Organ, auf dessen Gesundheit man achten muss“, habe ich von einer Ordensfrau gehört. Die Beichte trägt dazu bei, präventiv und ganz sicher auch heilend.
Auch Papa und Mama sind nicht unfehlbar
Wirklich begeistert bin ich von den Beichtpriestern. Bisher haben die Kinder nur positive Erfahrungen mit ihnen gemacht, haben stets feinfühligen, respektvollen und hilfreichen Umgang erlebt und niemals eine Verletzung der gebotenen Distanz. „Ich sehe, du hast ein gutes Herz. Jesus reinigt es wie mit einem Schwamm, es ist jetzt wieder ganz neu und sauber“, so einer der Stehsätze eines Salesianers, den die Kinder daheim gerne als Stegreiftheater nachspielen. Wenn wir uns bei unbekannten Priestern unsicher sind, gehen wir Eltern voran und beichten zuerst. Dabei zeigen wir ihnen: Papa und Mama sind nicht unfehlbar, auch sie produzieren Müll und müssen sich um Neuanfang bemühen. Wir staunen, wie selbstverständlich und ernsthaft sich unsere Kinder dieses Sakrament zu eigen gemacht haben. Oder eigentlich, Gottes Kinder. Wir sind ja nur ihre Begleiter.