Instrumente lernen
Musik machen in der Familie verbindet
Hannes Pernsteiner und seine mexikanische Frau lernten sich beim Musizieren kennen. Inzwischen spielen auch ihre drei Kinder Instrumente. Die Musik ist für die Familie ein verbindendes Element – und die schönste aller Sprachen.
veröffentlicht am 01.01.2019
Musik schafft Brücken, erlebten meine Frau und ich bei unserer allerersten Begegnung. Ich war hingerissen von ihrer Stimme und davon, mit welcher Hingabe und Freude sie mit ihrer Gitarre den Kirchen-Jugendchor leitete. Ihr gefiel mein Klavierspiel. Miteinander zu musizieren, war die erste gemeinsame Sprache und ist es bis heute: bei mexikanischen „Ranchera“-Schnulzen, eigenen Stücken, der Gestaltung von Messen und vor allem als täglicher Teil unseres Abendgebetes. Wir dürfen „musikalisch religiös“ sein und auch umgekehrt, erleben uns beide oft beim Singen unserem Schöpfer nahe. Ein Geschenk, das sehr verbindet.
Dann kamen unsere Kinder ins Spiel, wuchsen schon im Bauch mit vielen Tönen auf und entkamen diesen auch später nicht. Zuerst ging es ums Singen, als unser Hobby einige Jahre der Pfarr-Kinderchor war. Als sie ins Vorschulalter kamen, suchten wir mit ihnen passende Instrumente und Musiklehrer. So hielten nun eine Kindergitarre und Querflöte sowie ein E-Piano Einzug im Haus. Die neuen Mitbewohner sind anspruchsvoll, merkten die Kinder schnell. Sie wollen nicht nur wöchentlich zum Unterricht ausgeführt, sondern dazwischen auch geübt werden.
Pro Üben ein Sticker
Das fordert auch uns Eltern, denn die Erinnerung „Sara, Flöte üben!“ genügt nicht. Man muss anfangs das Hausübungsstück gemeinsam Note für Note lesen und spielen. Da das ständige Danebensitzen ein Zeitproblem wurde, nahm ich für unsere Querflötistin jedes Mal eine halbe Stunde Probe auf: Eine MP3-Datei mit Klavierbegleitung und allem, was ich meiner Tochter dazu sagen würde, sowie am Ende ein Zuhör-Musikstück als Belohnung. Über ein Jahr lang ging das gut. Dann hieß es: „Ich übe, aber nur ohne USB-Stick.“ Verständlich, denn der Karaoke-Papa erkennt halt keine Fehler und Erfolge, und vor allem: Er hört nicht zu. Doch gegen Ende des vorigen Schuljahres wollte Sara ganz aufhören. Auch die Flöte machte langen Sommerurlaub.
Zugleich scharrte unsere äußerst lebhafte jüngste Tochter (5) schon mit den Hufen in den Startlöchern für die Violine. Als es im Herbst losging, war sie nicht zu bremsen. Fünfmal am Tag packte sie die Achtelgeige aus ihrem Köfferchen, bestrich den Bogen mit Kolophonium und stellte sich die dann folgenden Geräusche als Wohlklang vor. Der schöne Nebeneffekt: Sara ließ sich mitreißen, entdeckte ihre Flöte wieder neu, wurde von ihrer Lehrerin ins Blasorchester eingeladen und meisterte im Advent ihren ersten Auftritt mit Bravour. Daheim starteten wir ein neues System, bei dem jedes Kind pro Üben einen Sticker erhält. Bei vier Stickern pro Woche gibt es zu Monatsende eine selbst ausgesuchte Legofigur – die momentan bei den Kids ganz oben im Kurs steht.
Kleines Familienensemble
So ist ein kleines Familienensemble entstanden, und jeder hat beim gemeinsamen Musizieren seinen Platz. So wie beim Franziskus-Gebet, das im italienischen Original viel schöner mit „Herr, mach mich zum Instrument (statt: ‚Werkzeug‘) deines Friedens“ beginnt, also zum Mitspielen in seiner Symphonie einlädt. Wir wollen mit Begleitung und kleinen Anreizen die Freude unserer Kinder daran so lange am Brennen halten, bis das Feuer von alleine brennt. Zwang ist dabei allerdings genauso kontraproduktiv wie das Überstülpen unserer Elternträume. Was sie mit ihrem erworbenen Können einmal anstellen oder wen sie damit vielleicht kennenlernen werden: Wir lassen uns überraschen. Wir hätten ja auch bei uns selbst nie geahnt, dass es so kommen sollte.